Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón

Es ist eigentlich den anderen Büchern nicht fair, eine Rezension zu einem Buch von Zafón zu schreiben, denn ich kann es ja nur loben. 😉

Inhalt


Daniel wird von seinem Vater zum Friedhof der Vergessenen Bücher mitgenommen. Dort soll er ein Buch adoptieren, um das er sich kümmern soll, damit es aus der Vergessenheit hervorkommt. Er wird magisch von Der Schatten des Windes von Julián Carax angezogen. Und nachdem er es gelesen hat, forscht er nach den geheimen Umständen von Carax Tod nach.


Meine Meinung


Zuerst dachte ich, dass das Cover mir nicht so gefällt, aber nachdem ich es dann doch länger betrachtet habe, muss ich sagen, dass es einen direkt in Daniels Welt versetzt und sehr passend gewählt ist. Doch, wenn ich so darüber nachdenke, finde ich es schon gelungen. 🙂

Nachdem ich Das Labyrinth der Lichter (hier ist meine Rezension dazu) gelesen habe (vorher auch schon ein anderes von Zafón) bin ich ein riesiger Fan von diesem Schriftsteller geworden.
Die Idee der Adoption von vergessenen Büchern finde ich einfach ganz wunderbar und Zafón ist einfach ein Meister der Worte.
Manchmal ist es zwar nicht immer leicht dem Text oder auch den Gesprächen (vor allem wenn Férmin redet) zu folgen, aber das macht nichts, denn diese gewaltige Sprache macht alles wett und ich bin einfach verliebt in das Buch.
Obwohl von der Reihenfolge Das Labyrinth der Lichter der Abschluss der Reihe ist, kann man diese vollkommen autark lesen und so ist das nicht tragisch, dass ich das Ende quasi schon kenne. Im Gegenteil, all die bekannten Namen zu lesen und Daniel und Férmin beim Kennenlernen zu beobachten hatte mir ein Gefühl von Nach-Hause-kommen gegeben und ich fand es trotzdem sehr spannend.
Und langweilig wird das Buch wirklich keine Sekunde. Auch wenn Zafón eine Geschichte in der Geschichte erzählt ist das nicht verwirrend, sondern er schafft es die beiden Teile so zu verflechten, dass es für den Leser logisch ist und man allem sehr gut folgen kann. Ich hatte keine Sekunde das Gefühl ich käme gerade mit der Geschichte nicht mit.
Dazu kommt der Wechsel zwischen langem eher erzählendem, berichtendem Text und schnellen Dialogen zwischen den Charakteren und das gefällt mir auch sehr gut. So bekommt man Fakten zur Handlung geliefert, aber kann sich auch zwischendurch einfach von lustigem Geplänkel berieseln lassen. Alles ist genau richtig gewählt.
Und auch alltägliche Szenen, wie die Überquerung einer Straße z.B. wird in den Blick genommen und meisterhaft beschrieben und dargestellt.

Die Charaktere mag ich sehr. Besonders Férmin ist mir ans Herz gewachsen, obwohl er manchmal schon etwas derb ist und ich das eigentlich nicht mag, aber durch seinen Witz muss man ihn einfach toll finden. 😉
Daniel hingegen ist zwar ein liebenswerter Charakter, der aber an einigen Stellen schon recht feige wirkt und mich dadurch etwas geärgert hat, denn er handelt manchmal etwas langsam. Aber trotzdem mag ich ihn und finde seine Entwicklung vom 10-jährigen Jungen zum Jugendlichen sehr schön.

Man kann das Buch einfach nicht in eine Kategorie bzw. Genre einordnen. Ist es ein Spannungsroman? Ein Krimi? Aber über allem schwebt dieses mythisch, zauberhafte. Ich würde ihn einfach nicht irgendwo einsortieren wollen, sondern man sollte diesen Roman einfach lesen und genießen!

Das Ende ist wirklich spannend und actionreich und die letzten Seiten fliegen einfach nur so dahin. Und das allerletzte Kapitel ist toll und ich war traurig mich wieder von den Figuren trennen zu müssen. Aber zum Glück warten ja noch zwei ungelesene Teile aus der Barcelona Reihe auf mich. Und ansonsten starte ich einen Re-Read. 😉


Mein Fazit


Dieser Roman ist ein richtiges Gänsehautbuch und man legt es kaum aus der Hand, weil Zafón einen mit seinem magischen Schreibstil in eine Welt zieht die eigentlich einfach ist, aber trotzdem so spannend und faszinierend. Wer ein Fan von gewaltiger Sprache ist, sollte zu diesem Buch greifen. Es ist einfach rundum gelungen!


Lieblingszitate
“Es gibt Dinge, die man nur im dunkeln sehen kann. […]” (S. 8)

“[…] Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, er es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben. Jedesmal, wenn ein Buch in andere Hände gelangt, jedesmal, wenn jemand den Blick über die Seiten gleiten lässt, wächst sein geist und wird stark. […]” (S. 10)

“[…] wenige Dinge prägten einen Leser so sehr wie das erste Buch, das sich wirklich einen Weg zu seinem Herzen bahnte. Diese ersten Seiten, das Echo dieser Worte, die wir zurückgelassen glauben, begleiten uns ein Leben lang und meißeln in unserer Erinnerung einen Palast, zu dem wir früher oder später zurückkehren werden, egal, wie viele Bücher wir lesen, wie viele Welten wir entdecken, wie viel wir lernen oder vergessen.” (S. 13)

“Geschenke macht man zum Vergnügen des Schenkende, nicht weil es der Beschenkte verdient hätte. […]” (S. 94)

“Wahrscheinlich weil uns ein Fremder sieht, wie wir sind, und nicht, wie er glauben will, dass wir sind.” (S. 211)

“Bücher sind Spiegel: Man sieht in ihnen nur, was man schon in sich hat. […]” (S. 250)

“[…] Der Tor spricht, der Feige schweigt, der Weise hört zu.” (S. 344)

“Das schwierige ist nicht, einfach so Geld zu verdienen. […] Das Schwierige ist, es mit etwas zu verdienen, was es wert ist, dass man ihm sein Leben widmet.” (S. 434)

Fakten zum Buch
Autor: Carlos Ruiz Zafón
Titel: Der Schatten des Windes
Originaltitel: La sombra del viento
Übersetzung: Peter Schwaar
Verlag: Suhrkamp
Seitenzahl: 563
ISBN: 978-3-518-845800-6
Preis: 9,90 €

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4 thoughts on “Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón”

  1. Mein Freund ist ein riesen Fan des Autors, dieses Buch steht auch hier – ich glaube (fast) alle Bücher von ihm. Ich habe bislang erst eines gelesen und es geliebt – ich muss definitiv wieder zu einem Buch greifen. Auch wenn ich dein besprochenes nicht kenne, kann ich deine Begeisterung nachempfinden (=

    1. Ich habe leider viel zu spät Zafón für mich entdeckt. Aber wenn man einmal angefangen hat, ist man ihm verfallen. 😉
      Wenn ihr fast alle Bücher zu Hause habt, solltest du wirklich nochmal zu einem Roman von ihm greifen.
      Welches Buch hast du denn von ihm gelesen?

        1. Oh, der dunkle Wächter habe ich auch gelesen. Der war auch klasse. 😀
          Aber du hast recht, bei mir in den Regalen schlummern auch noch so viele tolle Geschichten.

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