Sprich mit mir von T.C. Boyle

Auch wenn ich vielleicht einige Kritikpunkte habe, hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Werbung: Ich bedanke mich bei vorablesen und dem Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Rezension spiegelt meine eigene Meinung wider und wurde in keiner Weise beeinflusst. 

Inhalt


Aimee ist extrem introvertiert, sie traut sich kaum mit anderen Menschen zu sprechen. Doch als sie Guy und den Schimpansen Sam im Fernsehen sieht ist sie direkt interessiert. Zufällig forscht Guy an derselben Uni wie sie und sucht jemanden, der ihn mit Sam unterstützt. Aimee bewirbt sich und hat direkt eine Verbindung zu Sam.

„Eigentlich hatte sie keine Zeit dafür, aber dann hatte sie sie doch, denn was der Moderator da ankündigte, war nicht das Übliche: Guy Schermerhorn war nicht der unscheinbar Ehemann einer Sexbombe oder irgendein Autorennfahrer, den man nur an seinem Helm erkannte, oder der Entdecker eines neuen Elements im Periodensystem, sondern ein Wissenschaftler, der behauptete, er bringe Affen das Sprechen bei.“ (S. 12)


Meine Meinung


Das Cover ist wirklich interessant, obwohl mir hier das orange Cover unter dem Schutzumschlag fast besser gefällt. Einfach wegen der Farbe. 🙂 

Ich mochte das Buch von Anfang an irgendwie. Der Autor schreibt wirklich sehr einfühlsam und man kann die Aktionen der einzelnen Personen nachvollziehen.

Aimee, die überhaupt nicht mit Menschen zurecht kommt und sich noch nicht mal traut bei der Bewerbung Guy richtig in die Augen zu sehen, die aber dann direkt eine Verbindung zu Sam findet. Und Guy, der total überfordert mit einem Projekt wirkt, aber alles daran setzt dieses nicht zu verlieren. Auch wenn dabei alle anderen, ja sogar auch Sam, auf der Strecke bleiben. Für ihn ist sein Ruhm immer das wichtigste.
Aber auch Sam lernte ich näher im Buch kennen, denn Boyle beschreibt ihn nicht nur von außen aus Sicht von Aimee oder Guy. Es gibt auch Kapitel im Buch, wo wir aus seiner eigenen Sicht erfahren, wie er fühlt und was er denkt. Und trotz seiner Wildheit, denn er bleibt immerhin ein wildes Tier, hat er sehr menschliche Züge.

„Er hatte kein Wort für Worte, noch nicht jedenfalls, aber trotzdem kannte er Worte. Er kannte SCHLÜSSEL. Er kannte SCHLOSS. Er kannte RAUS. Er war ein Gefangener. Auch dafür hatte er kein Wort, und wenn er es gekannt hätte, wäre es bedeutungslos gewesen.“ (S. 22)

Obwohl ich zugeben muss, dass mir Sam manchmal etwas zu sehr vermenschlicht wirkt. Guy hat Sam als Baby bekommen und mit seiner damaligen Frau wie ein Menschenkind aufgezogen und so wird er auch weiterhin behandelt. Er bekommt das gleiche Essen wie alle und auch wenn sich auf der Ranch wo sie leben mal ein Gläschen Wein gegönnt wird, bekommt er sein eigenes Glas. Ich denke nicht, dass das so gut ist für einen Schimpansen und bin mir nicht sicher ob er das Verdauungsmäßig vertragen würde. Natürlich verstehe ich warum Boyle das wohl so geschrieben hat, denn er wollte wohl zeigen, wie menschlich ein Schimpanse werden kann und warum Sam sich nicht zu seinen Artgenossen hingezogen fühlt, sondern immer an Aimee denkt. Aber trotzdem war das vielleicht ein klein wenig zu übertrieben.

Guy wurde mir im Laufe des Buches immer unsympathischer, denn wie ich oben schon erwähnt habe, scheint er sich einfach nur auf dem Gebiet der Sprachforschung bei Schimpansen profilieren zu wollen und vergisst dabei was wirklich wichtig ist. Als Gegenpol handelt dann Aimee, die Introvertierte, auf einmal sehr impulsiv und versucht alles um Sam zu retten.

„Laien hatten keine Ahnung von der Tiefe der Kommunikation, zu der Affen imstande waren.“ (S. 74)

Da kommen wir zu einem weiteren Kritikpunkt von mir. Dieser krasse Unterschied von der Ranch und dann zu der Käfighaltung in die Sam dann kommt. Das fand ich auch recht Übertrieben, denn wieder mal denke ich, dass man Schimpansen doch so bestimmt nicht halten darf. Es gibt doch Tierschutzgesetze, auch in Amerika. Und je mehr ich an meiner Rezension gerade schreibe, fällt mir auf, wie extrem Boyle seine Gegensätze in dem Buch darstellt. Aimee und Guy, die Ranch und der Käfig, Mensch und Schimpanse. Ich denke, dass das bestimmt so gewollt ist, aber dadurch kommt es an einigen Stellen einfach nur übertrieben rüber.
Versteht mich nicht falsch, ich mochte das Buch, denn auf der anderen Seite hat der Autor dieses wirklich sehr einfühlsam geschrieben und durch den Erzählstil nähert man sich dieser Beziehung von Aimee und Sam gefühlvoll an und stellt sich die Frage: Wer braucht hier wen mehr?

Ein tolles Buch, das mir wirklich gut gefallen hat, obwohl es mit einem traurigen Ende einer verpassten Chance abschließt. Bleibt nur abschließend zu fragen, für wen genau ist die Chance vorbei?


Mein Fazit


Auch wenn der Autor mit seinen extremen Gegensätzen manchmal etwas übertrieben wirkt und ich mich häufig mal gefragt habe, ob das wirklich alles so möglich wäre oder ob nicht längst irgendwer eingeschritten wäre, habe ich das Buch gerne gelesen. Denn Boyle hat einen interessanten Erzählstil, der sehr einfühlsam die Geschichte rund um Sam und Aimee erzählt und zeigt, dass Liebe wirklich alle Grenzen überschreitet. Mir hat das Buch gefallen und ich würde es auch weiterempfehlen. 🙂

Fakten zum Buch
Autor: 
T.C. Boyle
Titel: Sprich mit mir
Originaltitel: Talk to me
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Verlag: Hanser
Seitenzahl: 348
ISBN: 978-3-446269156
Preis: 25,00€

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