Die Kinder Húrins von J.R.R. Tolkien

Tolkien muss man einfach lesen! Obwohl ich hier manchmal mit den Charakteren gehadert habe.

Morgoth greift an und Húrin wird von ihm nach einem Kampf gefangen gehalten. Túrin, noch ein Kind, wird von seiner Mutter Morwen zu den Elben geschickt. Und von da aus beginnt für ihn eine Odyssee durch Mittelerde und gegen den Fluch Morgoths.

Das Cover erinnert direkt an die Bücher von J.R.R. Tolkien und man weiß direkt woran man ist. Klassisch, aber gut.

Da es bei mir schon etwas länger her ist, dass ich Der Herr der Ringe und Der Hobbit gelesen habe, war ich zunächst einmal etwas verwirrt durch die vielen verschiedenen Namen in der Einführung. Diese war zwar recht gut und Christopher Tolkien erklärt auch nochmal einiges, aber ich musste mich einfach erst einfinden in die Geschichte.
Nachdem ich aber die erste Hürde überstanden hatte, bin ich schnell und gut in die Geschichte reingekommen, denn der etwas berichtende Stil macht das einem nicht sehr schwer.
So ist man das aber von Tolkien gewöhnt und deshalb hat mich das nicht weiter gestört. Im Gegenteil, mir hat das sogar außerordentlich gut gefallen, da man so das Gefühl hat eine Sage zu lesen und keine einfache Geschichte.
Man ist als Leser mittendrin dabei und fühlt sich ein bisschen an eine Lagerfeuerstimmung versetzt.

Am Anfang (und eigentlich auch mittendrin immer mal wieder) gibt es einfach sehr viel Krieg, Mord und Tod. Das scheint zunächst einmal grausig, aber Tolkien hat eine so trockene Art dies zu berichten, das man fast unbeachtet darüber hinweg liest.
Dann kommt auch die Geschichte endlich auf Túrin zu sprechen und dieser muss einfach schon als Kind viele Schicksalsschläge erleben. Krieg und den Verlust seines Vaters und dann wird er auch noch von seiner Mutter fortgeschickt, all das ist für einen kleinen Jungen wohl nicht leicht zu ertragen und ich hatte stellenweise sehr stark Mitleid mit ihm.
Allerdings muss ich sagen, dass ich den überwiegenden Teil seine Art überhaupt nicht mochte. Er war sehr oft einfach störrisch, sehr wütend und muss immer seinen Willen durchsetzen und das hat mir auch die Geschichte leider etwas madig gemacht.
Wenn die meiner Meinung nach sehr sympathischen Nebenfiguren nicht gewesen wären, hätte ich nicht gewusst wie ich dieses Buch bewerten soll.
Doch leider verlassen uns diese auch oft sehr schnell und tauchen auch später nicht mehr auf. Schade, denn von einigen Charakteren hätte ich gerne doch noch etwas mehr gehabt (z.B. Nellas oder Beleg).

Obwohl Túrin wohl der Hauptprotagonist der Geschichte scheint, werden aber auch die anderen Familienmitglieder erwähnt, aber diese sind leider mitnichten netter. Sowohl seine Mutter als auch seine Schwester zeigen diese eigensinnigen Charakterzüge und so scheint mir als einziger edel und nett das Familienoberhaupt Húrin. Obwohl er ja in Gefangenschaft ist und man nicht so viel über seinen wahren Charakter erfährt.

Die Geschichte selber ist dann doch etwas düster und man hetzt von einer kriegerischen Auseinandersetzung zur nächsten. Das bringt natürlich Spannung auf und man liest einfach atemlos weiter. So konnte mich dann Tolkien doch wieder fesseln. 🙂

Das Ende ist dann auch sehr traurig und  so eins hätte ich selbst dieser unsympathischen Familie nicht gegönnt. Sehr tragisch!

Danach folgen dann noch Erklärungen von Christopher Tolkien wie er diese Geschichte „zusammengesetzt“ hat. Das war wieder sehr interessant zu lesen, denn J.R.R. Tolkien scheint ziemlich kreativ gewesen zu sein und vieles gleichzeitig verfasst zu haben. Oder zumindest einiges angefangen um dann wieder was anderes zu beenden.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, waren die tollen Illustrationen von Alan Lee. Die Bilder waren zwar auch teilweise sehr düster, aber einfach nur passend und haben mich in ihren Bann gezogen. Habe euch hier eine kleine Auswahl zusammengestellt: 

 

Mein Fazit: Obwohl ich die Familie Húrin nicht als Sympathieträger bezeichnen würde, ich würde sogar sagen, dass sie mir an einigen Stellen mit ihrer Art einfach auf die Nerven gegangen sind, muss ich sagen, dass mich Die Kinder Húrins wieder total nach Mittelerde gezogen hat und ich es trotzdem gebannt gelesen habe.
Nach der Lektüre habe ich einfach Lust bekommen nun auch endlich mal die anderen Bücher von J.R.R. Tolkien zu lesen. 🙂

Bedanken möchte ich mich bei Bella von Bella’s Wonderworld. Denn ohne sie und ihre Leserunde hätte ich noch ewig gebraucht weitere Tolkien-Bücher zu lesen.

Lieblingszitate:

“[…] Es ist eine scharfe Klinge, und Stahl ist nur denen von Nutzen, die damit umgehen können. […]” (S. 52)
“Sei stets freigiebig, doch verschenke nur, was dir gehört!” (S. 77)

Fakten zum Buch
Autor: J.R.R. Tolkien
Titel: Die Kinder Húrins
Originaltitel: The children of Húrin. Narn i Chîn Húrin
Herausgeber: Christopher Tolkien
Übersetzung: Hans J. Schütz, Helmut W. Pesch
Illustrationen: Alan Lee
Verlag: Klett-Cotta
Seitenzahl: 333
ISBN: 978-3-608-93603-2
Preis: 23,00 €

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8 thoughts on “Die Kinder Húrins von J.R.R. Tolkien”

  1. Guten Morgen,
    schön, dass dich das Buch so begeistern konnte. Ich muss gestehen, dass ich mich an weitere Bücher von Tolkien nie heran gewagt habe. Den Hobbi mag ich sehr gerne, aber schon der Herr der Ringe ist mir zu ausladend. Ich habe Band 1 und 3 gelesen und Band 2 nur quergelesen und ich habe nicht das Gefüh, dass mir wichtiges Wissen gefehlt hat. Von daher habe ich beschlossen, dass ich auf weitere Tolkien Bücher eher verzichte.
    Dir aber weiter viel Spaß mit seinen Büchern und ein wunderbares Wochenende
    LG
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne,

      ja, ich habe mich auch nur wegen der Leserunde rangetraut. Aber deine Meinung zu Herr der Ringe kann ich schon verstehen, einiges fand ich auch etwas viel in der Geschichte. Da war Die Kinder Húrin schon viel komprimierter. 🙂

      Liebe Grüße
      Diana

  2. Hi Diana,

    eine wirklich schöne Besprechung! Mir haben die Illustrationen von Alan Lee auch sehr gut gefallen – das hat das ganze einfach wunderbar abgerundet.

    Liebe Grüße
    Bella

    1. Hallo Bella,

      danke, für deine nette Bemerkung. Darüber freue ich mich immer. 🙂
      Freue mich schon auf die gemeinsame Leserunde im Herbst. 🙂

      Liebe Grüße
      Diana

  3. Ohh, das Buch kling toll und die Illustrationen sind wunderschön. Ich hab den Herr der Ringe nur als ziemlich alte, englische Ausgabe, und daher keine Ausgabe bisher in der Hand gehabt, die Illstruationen von Lee hat. Und außer dem Hobbit und Herr der Ringe habe ich auch noch kein Tolkien Buch gelesen, aber es schon ewig mal vor, da setzt ich mir das Buch doch direkt mal auf meine Wunschliste 🙂

    glg Franzi

    1. Hallo Franzi,

      das lohnt sich wirklich mal zu lesen. In meiner Herr der Ringe Ausgabe sind auch nicht so schöne Illustrationen, aber hier waren sie auf jeden Fall ein kleines Highlight. Würde mir nur eine Ausgabe mit diesen schönen Bildern holen. 😉

      Liebe Grüße
      Diana

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