Bekanntheit bei Klassikern: Vor- oder Nachteil?

Diese Frage ist mir vor kurzem in den Kopf gekommen und lässt mich irgendwie nicht mehr los.

Diese Frage kam bei mir auf als ich Oliver Twist gelesen habe. Gut, das ist schon eine kleine Weile her, aber ist jetzt wieder aktuell, weil ich demnächst mit Der große Gatsby anfangen möchte.
Aber zurück zu Oliver Twist: Es war das erste Mal das ich dieses Buch gelesen habe, aber trotzdem hatte ich schon vorher eine der zahlreichen Verfilmungen gesehen und ich liebe diese Geschichte einfach.
Warum ich es bis jetzt noch nicht gelesen hatte kann ich gar nicht sagen, aber okay, nun ist es halt soweit gewesen ich habe zum Buch gegriffen.
Und ja ich mag die Geschichte nach wie vor und Oliver ist meiner Meinung nach einfach ein armer Junge den ich nur liebhaben möchte (aber mein heimlicher Lieblingscharakter ist Dodger 😉 ). Und die Übersetzung von Gustav Meyrink ist nicht zu schwer und trotzdem so herrlich altmodisch das man sich direkt in die Dicken’sche Zeit versetzt fühlt. Einfach wunderbar! Meine Rezension zu dem Buch könnt ihr hier lesen.

Und trotzdem hatte alles einen ganz winzigen fahlen Beigeschmack, denn mir war von Anfang an klar, wie sich Olivers Leben wenden wird und was ihm widerfahren wird.
Und dadurch kam ich zu meiner Frage: Ist es jetzt ein Vor- oder Nachteil wenn man schon so viel über einen Klassiker weiß?
Okay, man kann das natürlich durchaus auch ausweiten, denn nicht nur Klassiker haben manchmal einen so riesigen Bekanntheitsgrad, aber ich möchte mich jetzt hier auf diese beschränken.

Klassiker sind ja wohl ein Thema für sich. Es gibt häufig viele unterschiedliche Verfilmungen und dann auch noch wahnsinnig viele Meinungen dazu. Manche sagen, diesen Klassiker muss man lesen, andere sind der Meinung der Film reicht.
Aber wenn man sich jetzt doch für ein Buch entscheidet, stört das bei der Lektüre wenn man schon so viel darüber im Vorfeld gehört hat?
Und selbst wenn man keine Verfilmung gesehen hat, weiß man doch schon häufig vieles von der Handlung. Z.B. habe ich Moby Dick weder gesehen noch gelesen und trotzdem könnte ich euch jetzt die Handlung erzählen. Zwar nicht im Detail, aber die möchte man ja bei einer Diskussion auch selten hören. Geht dann nicht die Spannung verloren? Denn bei einem Thriller würde ich ja auch nicht wissen wollen, was passiert.

Ich habe mir da jetzt so einige Gedanken zu gemacht und bin der Meinung, dass ich es nicht weiß. 😀

Ja, es ist so teils teils. Denn einerseits geht natürlich ein bisschen was von der Spannung verloren, denn man weiß einfach wie es ausgeht und erlebt dann halt nicht mehr so viele Überraschungen, aber bei mir geht es häufig wenn ich einen Klassiker lese nicht so darum überrascht zu werden. Mir geht es einfach darum mal einen Blick in die Zeit des Autors zu werfen und mal auszubrechen aus unserer heutigen Zeit in eine Welt, die auch real ist, aber einfach schon Jahre zurückliegt.
Und wie bekommt man denn einen besseren Einblick in eine längst vergangene Zeit als aus Romanen die in dieser geschrieben wurden?
Und zu Sachbüchern mag ich auch nicht immer greifen, denn diese sind manchmal einfach zu trocken. Ich mag es in diese noch lebendigen Geschichten einzutauchen.

Deshalb habe ich Oliver Twist, trotz Vorkenntnisse, genossen und habe seine Abenteuer einfach nochmal mit ihm erlebt. Und genauso wird es mir bestimmt auch mit Moby Dick und anderen Klassikern eines Tages ergehen.

Ach ja, ein Klassiker, der einen wirklich überrascht ist Gullivers Reisen. Denn die vereinfachte Kinderversion hat einfach gar nichts mit der richtigen Geschichte zu tun. 😉 (Dazu gibt es übrigens auch eine klasse Verfilmung 😀 )

Für mich macht es Klassiker einfach interessant da man zwar schon so einiges weiß, sie aber trotzdem bei der Lektüre neu entdecken kann. Denn ein Film oder eine Kurzzusammenfassung von Freunden/Bekannten/Internet kann die damalige Zeit und Sprache einfach nicht so rüberbringen wie der Autor / die Autorin selber.


Wie steht ihr dazu? Ist die Bekanntheit ein Vor- oder Nachteil bei der Lektüre?

Liebe Grüße
Eure Diana

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Jacquy
Gast

Ich muss ja zugeben, dass ich über die meisten Klassiker so gar nichts weiß. Bei Oliver Twist weiß ich zum Beispiel absolut nicht, wie die Geschichte verläuft oder endet, sondern nur wie sie anfängt. Bei Moby Dick weiß ich, dass es was mit einem Wal zu tun hat. Ich bin offenbar sehr gut darin, solchen Infos auszuweichen, wenn ich sie nicht haben möchte und auch wenn das dazu führt, dass ich da einige Wissenslücken habe, kann ich doch ziemlich unwissend an die Bücher herangehen, wenn es mal soweit ist. Aber klar ist es eine interessante Frage, ob es das Leseerlebnis… Weiterlesen »

Katharina
Gast

Hey Diana, das ist ein sehr interessantes Thema. Für mich ist das Vorwissen grundsätzlich nichts Schlechtes. Mir ist es (auch bei anderen Büchern) schon öfter so gegangen, dass ich erst den Film gesehen und dann das Buch gelesen habe, wodurch mir die Seiten nur so durch die Hand flogen, weil ich wissen wollte, wie diese oder jene schöne Szene im Buch vom Autor höchstpersönlich beschrieben wurde. So ging es mir zum Beispiel mit Panem 1 oder Harry Potter 4. Auch bei Sherlock Holmes kannte ich zuerst Filmmaterial und bin nach der Lektüre einiger Geschichten noch viel begeisterter vom Buch, das… Weiterlesen »

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