Epidemie von Asa Ericsdotter

Das Buch zeigt mal wieder wie schnell die Masse auf Hetzen Einzelner eingeht. 

Inhalt


In Schweden ist eine neue Partei an der Macht. Die Gesundheitspartei. Diese achtet massiv darauf, dass die schwedische Bevölkerung abnimmt. Das geht sogar so weit, dass Leute die zu viel wiegen entlassen werden. Außerdem werden schon Kinder in der Grundschule nach ihrem Gewicht getrennt, damit die „übergewichtigen“ Kinder abnehmen können. Wenn das nichts hilft, werden diese sogar schon operiert. Doch kaum jemanden scheint das zu stören und fast alle machen mit.


Meine Meinung


Das Cover gefällt mir sehr gut. Dieses leicht sandige Gefühl beim darüberstreichen ist klasse, ich liebe sowas. Kleines Manko, der Autor steht leider nicht drauf.

Wow, das Thema ist schon wirklich harter Tobak und ist nicht so leicht zu verdauen. Oben habe ich geschrieben, fast alle machen mit und genau darin liegt das Problem. Der Großteil der Bevölkerung folgt der Gesundheitspartei vorbehaltlos und schluckt Diät-Pillen oder geht mit seinen Kindern zu den vorgeschlagenen OPs. Wie dumme Schafe hinterfragt niemand dieses Konzept, im Gegenteil, die „Dicken“ werden sogar noch gemieden oder gemobbt. Sogar die Nachbarländer greifen die schwedischen Modelle auf.
Ja genau, man fühlt sich sehr stark an das Dritte Reich erinnert.
Und genau das hat mich bei der Lektüre auch sehr stark mitgenommen, denn so wird einem wieder mal klar, wie schnell man in eine Schiene der Unterdrückung und Teilung der Menschen in verschiedene Arten gerät und wie leicht sich die Massen davon überzeugen lassen und mitmacht. Man braucht nur einen Sündenbock für alles Üble und alle laufen dem „Revolutionär“ hinterher. In dem Fall ist es Johan Svärd, der Ministerpräsident. Dieser findet immer neue grausamere Möglichkeiten um alle Schweden schlank zu bekommen und ich musste größtenteils viel Schlucken. Das Buch behandelt zwar das Thema Fettleibigkeit, aber im Grunde stellt uns der Autor essentielle Fragen und gibt einem viel zum Nachdenken mit.
Obwohl ich anfangs erst langsam in den Schreibstil reingefunden habe, da dieser meiner Meinung nach etwas undurchsichtig war, konnte ich später einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Denn die Beschreibungen der Geschehnisse haben mich nicht mehr losgelassen.
Diese zähe Art am Anfang lag vielleicht auch daran, dass Ericsdotter ziemlich viele Fakten einstreut, die zwar sehr interessant waren, aber doch etwas viel auf einmal. Dazu kommt, dass ich am Anfang das Gefühl hatte, dass diese Fettepidemie doch eher Nebensache ist und im Hintergrund mitläuft. Erst nach und nach dreht sich alles viel mehr um Svärd und seine Machenschaften.
Der trockene, eher berichtende Stil am Anfang ändert sich auch sehr stark im letzten Drittel und auch das hat zu einem besseren Lesefluss beigetragen.

Was mich etwas gestört hat, war, das ich das Gefühl hatte, dass hauptsächlich weibliche Personen besonders dick sein sollen und außerdem ist bei den Protagonisten Landon und auch Helena das Selbstwertgefühl extrem im Keller. Klar, ich kann das natürlich nachvollziehen, wenn quasi eine ganze Nation gegen einen ist, aber gerade Helena als Mutter sollte doch vielleicht etwas mehr Kampfgeist zeigen, finde ich.
Dazu kam, dass sich alle irgendwie zu kenne scheinen und das ist schon oft ein glücklicher Zufall und wirkte auf mich etwas konstruiert. Schade!

Noch ein kleiner Kritikpunkt: Die Zeit zwischen den Ereignissen ist nicht klar erkennbar. Es scheinen manchmal Tage oder Wochen zu vergehen, aber wenn man das Buch liest, hat man das Gefühl, dass alles von einem Tag auf den anderen geschieht. Mir hätte eine kleine Zeitleiste geholfen.

Das Ende war dann wieder sehr spannend aufgebaut und hat mir äußerst gut gefallen. Ein positives Ende ist in diesem Fall einfach nur wunderbar, denn wer möchte so ein Land wie dieses Schweden in der EU?


Mein Fazit


Das Buch beschreibt ein wirklich erschreckendes Szenario, dass mir an vielen Stellen den Atem gestockt hat. Teilweise hätte es vielleicht ein klein wenig besser umgesetzt werden können, aber wer nochmal schwarz auf weiß lesen möchte, wie schnell man ein Drittes Reich aufbauen kann, sollte dieses Buch zu Hand nehmen. Einfach nur furchtbar! (Also nicht das Buch, sondern die Vorstellung)


Fakten zum Buch
Autor: Asa Ericsdotter
Titel: Epidemie
Originaltitel: Epidemin
Übersetzung: Ulla Ackermann
Verlag: Arctis
Seitenzahl: 376
ISBN: 978-3-03880-002-6
Preis: 22,00 €

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6 thoughts on “Epidemie von Asa Ericsdotter”

  1. Kerstin war auch ganz angetan und trotz deiner doch einigen Kritikpunkte machst du mich nochmals neugierig auf das Buch – gut das es schon hier liegt!
    Undurchsichtiger Schreibstil? Wegen den Fakten oder aufgrund des “berichtenden” Stils wie du es formuliert hast?

    1. Mich haben die Fakten dann doch etwas verwirrt. Es war zwar wirklich interessant, aber mir waren das einfach zu viele. Aber ich muss sagen, das mir das schon öfters bei skandinavischen Autoren aufgefallen ist, dass sie sehr viele Fakten zu einem Thema mit in ihre Bücher einfließen lassen. Der berichtende Stil war schon okay, damit komm ich klar. 😉
      Bin gespannt was du zu dem Buch sagst. 😀

      1. Na da bin ich gespannt – Fakten gehören zu solch einer Thematik dazu, wenn sie die eigentliche Geschichte nicht in den Hintergrund stellen. Ist ja nun mal kein Sachbuch – bin schon lange neugierig auf das Buch, kommen nur immer andere dazwischen 😉

  2. Leider sind die Menschen ja oft so, dass sie sich der Masse anschließen und meinen, was viele gut finden, kann ja nicht schlecht sein. Sich gegen den Strom zu stellen, erfordert Mut, und auch wenn man es sich nicht gerne eingesteht, wollen wir alle eigentlich nur unsere Ruhe und schwimmen mit dem Strom, weil es einfacher ist.
    Und wenn dann eine im Grunde gute Idee dahinter steckt, Fettleibigkeit zu bekämpfen und die Bevölkerung dadurch tendenziell gesünder zu machen, kann ich mir leider so eine Entwicklung schon gut vorstellen.
    Deshalb klingt das Thema des Buches sehr interessant und Deine Rezension hat mich neugierig gemacht.

    LG Gabi

    1. Ja, du hast leider vollkommen recht. Die Grundidee ist vielleicht gar nicht schlecht, aber die Ausführungen sind einfach nur katastrophal und menschenverachtend.
      Sicher ist es für einen Einzelnen immer schwierig sich dagegen zu wehren, aber mich hat auch erschreckt, dass die restlichen Länder drumherum die Augen verschließen und sogar einige Dinge übernehmen. Da hätte ich ganz klar gedacht, dass das nicht mehr möglich wäre. Zum Glück ist das Buch ja nicht real.
      Liebe Grüße
      Diana

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