[Klassiker] Joseph von Eichendorff

Durch meine SuB-Oldies-Challenge komme ich dann endlich auch mehr dazu den ein oder anderen Klassiker zu lesen.

Die Beitragsreihe habe ich 2020 gestartet, denn ich lese gerne Klassiker und wollte diese nicht einfach als Rezension mit euch teilen. Deshalb nehme ich mir für diese Bücher etwas mehr Zeit und lese zusätzlich zu dem Klassiker auch noch eine Biographie oder ein anderes Buch, dass passend zur*m Autor*in ist, zum Buch oder der Zeit. So habe ich einen etwas umfangreicheren Blick.
Ich möchte mir keinen Stress machen, deshalb dauert es immer etwas bis ein neues Klassikerbeitrag entsteht, ist ja auch einiges was ich lesen muss. 😉
Hier ist nochmal meine Seite „Zeitlos lesen“ auf der ihr alle bisher gelesenen Bücher finden könnt.

Aus dem Leben eines Taugenichts ist eine kurze Novelle, aber die Biographien zum Autor haben mich etwas aufgehalten.


Zum Buch

Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff

Wie gesagt ist die eigentliche Geschichte eine Novelle von ungefähr 100 Seiten. Trotzdem habe ich etwas gebraucht, um das Büchlein zu beenden, denn für mich war es nicht einfach zu lesen.

In der Novelle geht es um den Ich-Erzähler, der von seinem Vater vertrieben wird, weil er den ganzen Tag nichts tut. So zieht der Erzähler also durch die Lande. Doch wer jetzt denkt, dass das Buch vielleicht eine kleine Erläuterung darüber ist, dass man immer stets fleißig sein soll, der denkt falsch. Denn der Ich-Erzähler hat immer Glück auf seiner Wanderschaft und findet eine Anstellung, nachdem er unglücklich verliebt ist (denkt er zumindest) zieht er weiter und erlebt noch allerhand andere Abenteuer, ehe am Ende alles gut wird und er Hochzeit feiern kann.

Um ehrlich zu sein, kann ich hier nicht so viel über diese Geschichte erzählen, denn ich habe nicht alles genau verstanden und war etwas überfordert. Kenne ich es sonst häufig, dass Autor*innen (vor allem aus vergangenen Zeiten) immer den erhobenen Zeigefinger haben, um die Leserschaft darauf aufmerksam zu machen, wie man sich rechtschaffen und gut verhält. Geht hier der Autor einen anderen Weg, für mich ist die Moral, dass man einfach das tun soll, was man möchte und am Ende wird eh alles gut. Also lerne nichts und lebe einfach in den Tag hinein. Vielleicht eine schöne Idee, aber so ganz konnte mich das nicht überzeugen.
Hier erhoffe ich mir aus der Biographie etwas mehr Erkenntnisse über die Novelle, sodass ich den Inhalt und den Sinn etwas besser verstehen kann.

Im Kontext

Zuerst hatte ich von Günther Schiwy eine Biographie angefangen, aber diese war leider so kompliziert (und außerdem war das Buch dann auch noch so umfangreich), dass ich lieber zu der wesentlich schlankeren Biographie von Hermann Korte gegriffen habe. Diese war viel verständlicher geschrieben und hat mir trotzdem einige Anhaltspunkte für meinen Beitrag liefern können.

Biographie von Hermann Korte

Nebenbei erwähnt kann ich nicht verstehen warum Autor*innen manche Biographien so schwierig schreiben, dass man Literatur studiert haben sollte, um diese zu verstehen. Es wäre doch viel schöner das Leben von Schriftsteller*innen für alle zugänglich zu machen.
Aber lassen wir das, vielleicht eine Diskussion an anderer Stelle. 😉

Aus dem Leben eines Taugenichts ist 1826 erschienen, und zwar in der Zeit, in der Eichendorff bereits als Beamter tätig war. Er hatte trotz beschwerlicher Reisen, Wohnungswechsel und Arbeitsüberlastung Zeit als Schriftsteller tätig zu sein.
Doch sollte man trotz allem vorsichtig sein, denn viele Geschichten, die sich um den Taugenichts ranken, stimmen nicht. Zum Beispiel das das Leben von Eichendorff sich im Taugenichts widerspiegelt oder dass er die Novelle in einem Rutsch geschrieben haben soll, bereits 1817 gibt es erste Hinweise, dass Eichendorff an dem Buch gearbeitet hat.

Viele Aspekte, die in der Biographie angesprochen wurden, waren mir nicht so klar. Das mag vielleicht einerseits an den Orts-, Zeitwechsel und an den unterschiedlichen Erzähltempi gelegen haben, andererseits aber auch daran, dass ich einige der karikaturistischen Aspekte der Novelle nicht mehr ganz nachvollziehen konnte. So wurde mir Aus dem Leben eines Taugenichts vielleicht nicht klarer, aber mir wurde bewusster warum ich es nicht so recht verstehen konnte.

Zum Autor

Der am 10. März 1788 geborene Joseph von Eichendorff begann bereits mit 9 Jahren Tagebuch zu schreiben. Allerdings so wie man es von einem Kind erwarten würde, eher von den positiven Ereignissen seiner Kindheit. Es finden sich so gut wie keine Beschreibungen der kritischen Lage der Familie damals, denn sein Vater war zeitlebens auf der Flucht vor Gläubigern und so war es auch wichtig, dass Eichendorff und sein Bruder Wilhelm eine Ausbildung begannen, damit sie auch ohne Erbe leben konnten. So zogen die beiden 1801 nach Breslau und gingen auf ein katholisches Gymnasium dort.
1809 verlobte sich Eichendorff mit Aloysia Anna Victoria von Larisch und entschied sich somit bewusst gegen eine reiche Heirat und für eine Liebesheirat. 1815 fand diese dann statt.
Nie hat er diesen Schritt bereut, denn die beiden liebten sich bis zum Ende sehr, so sehr, dass sich Eichendorff in seinen letzten Lebensjahren in die Einsiedelei zurückzog, nachdem seine Frau 1855 gestorben war. Und dass, obwohl er zeitlebens ein großer Familienmensch war und lange Zeit mit der Familie seiner Tochter Therese unter einem Dach lebte.

Ich fand es sehr interessant, dass Eichendorff seine Dichtungen bzw. Schriftstellerei eher als Erzählungen des Lebens selbst sah und sich nicht als Erfinder neuer Stoffe betrachtete. Das wirft ein anderes Licht auf einen Schriftsteller, denn meiner Meinung nach schreibt man dann weniger um zu Unterhalten als vielmehr um nahe am Menschen zu sein. Ich weiß nicht, ob mein Gedankengang richtig rüberkommt, aber ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken kann. :/

Sein Leben lang war sein „Lebensmotiv“ das des Zu-spät-seins. Das fing bei seiner Geburt an, bei der sein aufgeregter Vater die Begrüßung des neuen Erdenbürgers mit Böllerschüssen, Pauken und Trompeten zu früh einleitete. Und auch bei seinem ersten Roman Ahnung und Gegenwart findet man dieses Motiv wieder, denn es lagen fünf Jahre zwischen dem Beginn des Schreibens und der Veröffentlichung und dabei stand noch nicht einmal fest, ob er den Roman je veröffentlichen wollte.

Auch sehr interessant fand ich, dass seine Werke eher in der Musikkultur präsent waren, so lässt sich nach einer Schätzung entnehmen, dass zwischen 1830 und 1900 weit über 5000 Eichendorff-Vertonungen nachzuweisen seien. Und das sogar von einigen bekannten Komponisten, wie Mendelssohn Bartholdy und Schumann zum Beispiel.

Wie oben erwähnt zog sich Eichendorff nach dem Tod seiner Frau 1855 immer mehr zurück und starb nur zwei Jahre später am 26. November in Neisse, wo er auch beigesetzt wurde.

Die Lektüre vom Taugenichts war nicht so spannend für mich, aber nachdem ich dann die Biographie von Hermann Korte gelesen habe, wurde mir zumindest klar, woran das gelegen haben könnte. Über Joseph von Eichendorff zu lesen, fand ich aber um einiges interessanter und mir wurde so richtig bewusst, wie viele bekannte Gedichte und Lieder von ihm stammen. Das wäre mir entgangen, wenn ich mich nicht mit diesem Mann auseinandergesetzt hätte. Es ist wirklich immer wieder toll, was ich durch diese Beitragsreihe alles lerne. 😊


Der Plan für den nächsten Beitrag sieht vor, dass ich euch etwas über den Erfinder von Pinocchio Carlo Collodi erzählen werde. Die Geschichte um den Jungen aus Holz habe ich bereits gelesen, und zwar in einer wunderbaren Schmuckausgabe von MinaLima gestaltet. Die Biographie liegt bereits bereit und wartet nur darauf das ich sie lese. 😉

Ich freue mich über jeden Kommentar zu meiner Klassikerreihe, also an die Tasten und los. 

Liebe Grüße
Eure Diana

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